Mehr verdienen. Weniger Zeit. Und irgendwo dazwischen verlierst du dich selbst.
Vom Dilemma, Vater zu sein und trotzdem nicht nur zu funktionieren
16.01.2026
Es gibt Abende, da sitzt du am Küchentisch, der Laptop ist noch offen, die Wohnung endlich ruhig, und du kannst gar nicht genau sagen, warum du so müde bist.
Nicht diese körperliche Müdigkeit nach einem langen Tag.
Sondern diese andere. Die, die sich im Kopf festsetzt.
Du hast doch "gar nicht so viel gearbeitet". Kein 14-Stunden-Tag. Kein Drama. Kein Ausnahmezustand.
Und trotzdem fühlt sich alles schwer an.
Du scrollst noch einmal durchs Konto. Öffnest vielleicht noch ein Dokument. Machst es wieder zu.
Und irgendwo zwischen halb leerer Kaffeetasse und offenem Browserfenster tauchen sie auf – diese zwei Gedanken, die sich gegenseitig blockieren:
Ich muss mehr verdienen.
Ich habe dafür eigentlich keine Zeit.
Willkommen im Dilemma.
Wenn Geld plötzlich kein abstraktes Thema mehr ist
Solange man allein ist, ist Geld ein Faktor unter vielen. Wichtig, klar – aber verhandelbar.
Mit Familie ändert sich das. Nicht schlagartig, sondern schleichend.
Plötzlich hängen Dinge daran, die nicht mehr verschiebbar sind:
- Miete
- Kita
- Essen
- Kleidung
- Rücklagen
- Arzttermine
- Beiträge für Fußballverein, Turnen, Klavierstunden und worauf die Sprösslinge eben Lust haben
- Und ja … Unternehmungen, Urlaub, um vermeintlich wieder Energie zu tanken (Spoiler: das funktioniert nur im Familienhotel mit Kinderbetreuung und gutem Unterhaltungsprogramm)
Das ganz normale Leben eben.
Dir wird irgendwann umso klarer: Du trägst nicht mehr nur Verantwortung für dich selbst.
Das fühlt sich nicht heroisch an.
Es fühlt sich ernst an.
Und mit dieser Ernsthaftigkeit kommt ein Gedanke, der sich selten laut ausspricht:
Ich darf mir jetzt keine Schwäche leisten.
Kein Ausruhen.
Kein Zögern.
Kein Innehalten.
Also arbeitest du weiter. Vielleicht sogar mehr als vorher. Nicht, weil du Karriere willst. Sondern weil du Sicherheit willst.
Zeit wird knapper – und gleichzeitig wertvoller
Das Gemeine ist: Genau in dem Moment, in dem der finanzielle Druck steigt, schrumpft deine verfügbare Zeit.
Familie braucht Zeit. Nicht irgendwann. Nicht, wenn es besser passt. Sondern jetzt.
Kinder funktionieren nicht nach Kalenderlogik. Sie lassen sich nicht auf später verschieben. Sie brauchen Aufmerksamkeit, Nähe, Geduld – oft genau dann, wenn du eigentlich etwas anderes vorhattest.
Und plötzlich prallen zwei Welten aufeinander:
- Ein Business, das Fokus, Ruhe und ungestörte Zeitfenster braucht
- Ein Familienalltag, der genau diese Zeitfenster regelmäßig sprengt
Du sitzt am Rechner, hörst aus dem Nebenraum ein "Papaaaahaaa?" und spürst, wie sich dein Brustkorb zusammenzieht.
Egal, wie du dich entscheidest – es fühlt sich falsch an.
Das Gefühl, ständig am falschen Ort zu sein
Wenn du arbeitest, bist du gedanklich bei der Familie.
Wenn du bei der Familie bist, arbeitet es im Kopf weiter.
Du bist da – aber nie ganz. Anwesend – aber innerlich auf Abruf.
Und dieses Gefühl zermürbt mehr als jede Überstunde. Nicht, weil du keine Lust hast. Sondern weil du beides ernst nimmst.
Der Denkfehler: "Ich muss einfach effizienter werden"
Viele reagieren an diesem Punkt reflexhaft mit Optimierung.
Früher aufstehen.
Später arbeiten.
Pausen kürzen.
Abende "noch schnell nutzen".
Kurzfristig funktioniert das sogar. Man fühlt sich kontrolliert. Produktiv. Diszipliniert.
Langfristig aber passiert etwas anderes:
- Die Energie reicht nicht mehr für gute Entscheidungen.
- Du bleibst im Operativen stecken.
- Alles wird reaktiv.
Mehr Einsatz führt nicht zu mehr Freiheit, sondern zu mehr Abhängigkeit von deiner eigenen Arbeitszeit. Und genau das ist der Kern des Problems.
Mehr arbeiten ist oft keine Lösung – sondern eine Verschiebung
Mehr Arbeit bringt manchmal mehr Umsatz. Aber selten mehr Luft.
Denn die eigentliche Frage ist nicht: Wie kriege ich noch mehr in meinen Tag?
Sondern: Warum ist mein Einkommen so eng an meine Zeit gekoppelt?
Diese Frage tut weh. Weil sie nicht mit einer To-do-Liste zu beantworten ist
Der leise Gedanke, den kaum jemand ausspricht
Es gibt diesen Moment, meist spät abends, in dem zwei Sätze fast gleichzeitig auftauchen:
Wenn ich einfach mehr Zeit hätte, wäre alles leichter.
Wenn ich einfach mehr Geld hätte, auch.
Beides stimmt. Und beides schließt sich gegenseitig aus. Das ist kein Mindset-Problem. Das ist Realität. Und vielleicht ist es genau deshalb so schwer auszuhalten.
Wann kommst eigentlich du?
Irgendwann stellt dir niemand mehr diese Frage. Nicht, weil sie egal wäre, sondern weil sie sich erledigt hat.
Deine Hobbys sind nicht bewusst gestrichen worden. Sie sind einfach… nicht mehr passiert.
Das Fahrrad steht noch im Keller.
Die Gitarre lehnt irgendwo.
Das Buch liegt seit Monaten auf Seite 37.
Und wenn du ehrlich bist: Wenn du plötzlich zwei freie Stunden hättest – du wüsstest gar nicht mehr genau, was du eigentlich tun würdest.
Freizeit wird zu etwas, das man sich verdienen muss
Pausen fühlen sich falsch an. Als müsstest du sie rechtfertigen.
Jetzt ist gerade nicht der richtige Moment.
Erst wenn alles läuft.
Später.
Erholung wird zur Belohnung.
Und weil nie alles läuft, kommt die Belohnung nie.
Du funktionierst. Aber du lädst nicht mehr auf.
Niemand merkt es sofort
Nicht als Burnout.
Nicht als Zusammenbruch.
Sondern leise.
Als Daueranspannung.
Als Gereiztheit.
Als dieses dumpfe Gefühl, dass selbst gute Tage irgendwie flach bleiben.
Du reagierst mehr, als dass du gestaltest.
Du erledigst.
Du hältst am Laufen.
Aber innerlich wirst du stiller.
Ein persönlicher Hinweis
Viele Gedanken aus diesem Text habe ich mir selbst erst erarbeitet, als ich begonnen habe, mein eigenes Arbeiten radikal zu hinterfragen – nicht effizienter, sondern ehrlicher.
Daraus ist später Reich an Zeit entstanden. Kein Ratgeber im klassischen Sinn, sondern ein Workbook für Menschen, die ihr Business an ihr Leben anpassen wollen – nicht umgekehrt.
Wenn du gerade an einem ähnlichen Punkt stehst, findest du es hier 👉 zum Reich an Zeit Workbook.
Vielleicht ist nicht zu wenig Disziplin das Problem – sondern zu viel
Viele Väter sind extrem leistungsfähig. Belastbar. Verantwortungsbewusst.
Genau das wird ihnen zum Verhängnis. Denn Disziplin hilft, Dinge durchzuziehen. Aber sie ersetzt keine Struktur.
Ein Business, das nur funktioniert, wenn du ständig verfügbar bist, passt schlecht zu einem Leben, in dem andere Menschen dich brauchen.
Und vielleicht passt es auch nicht mehr zu dir.
Zeit für dich ist kein Luxus – sie ist Wartung
Familie braucht dich.
Dein Business auch.
Aber du brauchst dich ebenfalls.
Nicht als Vater.
Nicht als Versorger.
Sondern als Mensch mit eigenen Interessen, Gedanken, Pausen.
Wenn dieser Teil komplett verschwindet, wird alles andere irgendwann schwer. Auch das, was du eigentlich liebst.
Das eigentliche Dilemma
Das Dilemma ist nicht nur: mehr verdienen oder mehr Zeit haben.
Das eigentliche Dilemma ist: Wie halte ich Verantwortung, Nähe und mich selbst gleichzeitig aus?
Darauf gibt es keine saubere Antwort. Keine schnelle Lösung.
Aber vielleicht ist genau das der erste ehrliche Schritt: aufzuhören, so zu tun, als gäbe es sie.
Nicht jede Phase muss wachsen. Nicht alles muss optimiert werden. Und nicht jede freie Minute muss sinnvoll sein.
Manche Phasen sind enger.
Und genau das macht sie anstrengend.
Zum Schluss – ohne Lösung, aber mit Ehrlichkeit
Wenn du dich in diesem Text wiederfindest, dann liegt das nicht daran, dass du etwas falsch machst.
Es liegt daran, dass du versuchst, Verantwortung, Nähe und Selbstachtung gleichzeitig ernst zu nehmen.
Und das ist schwer.
Nicht spektakulär.
Nicht Instagram-tauglich.
Aber real.
Ein ehrlicher Zwischenruf
Mir geht es selbst oft so. Obwohl die Zahlen passen.
Rein rechnerisch könnte ich als Single heute sehr bequem leben. Wahrscheinlich sogar deutlich früher aufhören zu arbeiten, als viele es tun. Vielleicht wäre ich auf dem Papier sogar "weiter".
Aber das ist eine theoretische Rechnung. Mit Familie verschieben sich die Maßstäbe. Die Ansprüche der anderen werden selten kleiner und ich merke, dass ich meine eigenen lange sehr niedrig gehalten habe.
Nicht aus Askese.
Sondern, weil es einfacher schien.
Irgendwann fällt einem das auf. Nicht als großer Knall, sondern als leise Unzufriedenheit: Man funktioniert, aber man selbst kommt kaum noch vor.
Dazu kommt: Familie ist nicht immer planbar. Manche Phasen verlangen mehr Präsenz, mehr Energie, mehr Geduld und weniger Vergleichbarkeit mit idealisierten Modellen von "Balance".
Verantwortung lässt sich nicht beliebig auslagern. Auch nicht mit guten Strukturen. Und schon gar nicht sofort.
Das anzuerkennen war für mich wichtiger als jede neue Optimierungsstrategie.
Wie ich heute damit umgehe
Ich glaube nicht mehr an die eine Lösung.
Aber ich glaube an Richtungen.
Für mich heißt das heute:
- Arbeit nicht weiter zu komprimieren, nur weil sie rechnerisch noch in weniger Zeit passen würde
- Verantwortung dort abzugeben, wo es möglich ist – und sie dort bewusst zu tragen, wo es nötig ist
- nicht jede Lebensphase gleich „effizient“ machen zu wollen
- und mein Business so zu gestalten, dass es Druck rausnimmt, statt ihn zu verstärken
Nicht perfekt.
Nicht abgeschlossen.
Aber tragfähig.
Vielleicht ist das die ehrlichste Form von Erfolg: nicht alles im Griff zu haben – aber bewusst zu entscheiden, was gerade Vorrang hat.
Wenn du tiefer einsteigen willst
Dieser Text ist bewusst offen gehalten.
Nicht, weil es keine Antworten gäbe – sondern weil sie nicht für jeden gleich aussehen.
In Reich an Zeit habe ich meine Gedanken, Erfahrungen und Werkzeuge gesammelt, die mir geholfen haben, mein Business ruhiger und tragfähiger zu gestalten – ohne es weiter zu verdichten.
Du findest es hier, wenn du magst 👉 zum Reich an Zeit Workbook.

